Ich stand um drei Uhr morgens auf und machte mich wieder auf den Weg zu den Puffinfelsen. So weit im Norden wird es um diese Jahreszeit nie ganz dunkel.
Den steilen Anstieg hatte ich bereits hinter mit. Vor mir lag das Moorgebiet
Plötzlich bemerkte ich eine Bewegung.
Ich griff zur Kamera.
Es waren Raubmöwen, die hier zwischen den Gräsern und kleinen Wasserflächen ihre Nester hatten.
Auf einmal stieg eine auf und flog knapp über meinen Kopf hinweg.
Die Botschaft war unmissverständlich: "Das ist mein Revier."
Kurz darauf kehrte sie zurück und setzte sich direkt auf den Weg, vielleicht zwei Meter von mir entfernt.
So nah war ich einer Raubmöwe noch nie gekommen.
Ich blieb stehen und beobachtete sie. Einen Moment lang schien sie mich genauso aufmerksam zu beobachten, wie ich sie.
Langsam machte ich einen Bogen um sie herum und zeigte ihr, dass ich ihrem Nest nicht zu nahe kommen wollte.
Erst als ich weiterging, entspannte sich die Situation.
Raubmöwen tragen ihren Namen nicht ohne Grund.
Sie gehören zu den eindrucksvollsten Vögeln des Nordens. Sie sind geschickte Jäger, aber auch berüchtigte Piraten der Lüfte. Oft verfolgen sie Möwen, Seeschwalben oder Papageientaucher so lang, bis diese ihre Beute fallen lassen. Dann fangen sie sie geschickt in der Luft auf.
Als ich die Möwe dort sitzen sah, wirkte sie allerdings nicht, wie ein Räuber.
Sie war einfach ein Vogel, der sein Zuhause verteidigte.
Und vielleicht verstand ich sie deshalb so gut.